Ergebnis Ammercat 2024

Bericht von der Ammercat 2024

Eine Ammercat-Regatta in Breitbrunn ohne Matthias Dietz? Kaum vorstellbar, er war eigentlich
immer dabei. Doch in diesem Jahr fehlte er. Schmerzlich. Sehr schmerzlich. Unser Segelfreund und
allseits geschätzter Vorsitzender unserer Klassenvereinigung war anderthalb Wochen zuvor plötzlich
verstorben. Die riesige Lücke, die er in vielerlei Hinsicht hinterlässt, wurde bei dieser Regatta in
trauriger Klarheit erfahrbar.

Die Teilnehmer gedachten Matthias nicht nur mit einer Schweigeminute. Mit einem weißen Band,
das oben an der Toplatte des Großsegels festgeknotet wurde, sandten sie ihm auch einen Gruß gen
Himmel. Weiß war das Band deshalb, weil dies die Lieblingsfarbe von Matthias war. Boot, Segel,
Trailer, Auto, Mütze – es war möglichst immer alles strahlend weiß bei ihm. Mehr als einmal
erzählten wir uns an diesem Wochenende Geschichten von ihm, nach Jahrzehnten intensiver
Regattasegelei war so einiges zusammen gekommen an Erlebnissen aus fast aller Welt. Es gab dabei
manchmal auch einiges zu lachen, denn mit Matthias war es nie langweilig gewesen und er selbst
hatte auch immer gute Geschichten parat. Wir werden noch lange an ihn denken, das steht fest.

Auf dem Wasser fehlte Matthias dann ebenfalls. Es herrschte an diesen sonnigen Wochenende ein
leichter Wind von drei bis neun Knoten, also Bedingungen, in denen Matthias zur Weltspitze gehörte,
wie er erst im vergangenen Jahr bei der WM in Toulon unter Beweis gestellt hatte. Dreher von bis zu
30 Grad, Windlöcher im Floating Mode, dann plötzlich Vollgas segeln im Trapez, vorbei zischende
Foiler – es war alles im Programm vor Breitbrunn.

Wie zu erwarten kam der erfahrene Ammersee-Fuchs Georg Reutter mit seinem Classic-Nikita am
besten mit diesen Bedingungen zu Recht und gewann verdient. Punktgleich Zweiter und Dritter
wurden Moritz Weis (AD3 Classic) und Christian Stock (DNA Classic) vom Schluchsee, wo man
variable Windbedingen ebenfalls mehr als einem lieb ist studieren kann. Der wieder in die A-Cat-
Klasse zurück gekehrte Helmut Stumhofer vom Chiemsee zeigte mit seinem aktuellen AD3-Foiler, wie
früh diese sich bei Leichtwind aus dem Wasser heben können, wenn technisch und seglerisch alles
stimmt, und wie unglaublich schnell sie dann werden. Der vierte Platz war der Lohn dafür.

Die Sonne schien herrlich in Breitbrunn. Die Aktiven der Seglervereinigung Breitbrunn, allen voran
Klaus Brütting und Gisela Ramisch, hatten sich wieder alle Mühe gegeben, uns ein schönes
Wochenende zu bereiten. Das ist ihnen auch gelungen. Wenn nur Matthias hätte dabei sein können.

Christian GER 100

Es gibt einen kurzen Bericht auf unserer Facebook Seite

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Campione Easter Regatta 2024

Eine Woche nach Ostern, da spielte die Musik für die A-Cats in Campione am Gardasee.
33 Meldungen, incl. Kuba als Weltmeister und Ravi Parent als Ex. . Anspruchsvoller Wind bis 20kts am Feitag und Samstag … die Easter Regatta in Campione bot wieder einmal großes Segeln.

Die Organisation von Univela war mustergültig. Anlegen und ablegen war für die Segler ein Kinderspiel , denn die Helfer wurden von Arianna lautstark dirigiert.

Filme und Bilder dokumentierten, was auf der Regattabahn abging.
Man klicke auf https://www.campioneunivela.it/de/ und schon startet die Filmpräsentation.
Die 4 Topteams der Foilerflotte (Ravi, Kuba, Robin und Lamberto) u.a. zeigen eine Up- und Downwindraserei, da wird man bleich. Und dann noch die schnellen Windemanöver aus dem Foilen heraus, die man unbedingt studieren muss!
Wer nicht richtig foilte oder nicht konnte (z.B, ein Classic-A-Cat) wurde von den Spitzenmannen gnadenlos einmal oder mehrmals überrundet. Mich hat einmal der Kuba nach 1,5 Runden kurz vor der Luvtonne gepackt. Ich segelte mit ca. 12kts, der Kuba mit 26kts, wie er sagte. Wohlgemerkt, das war Upwindgeschwindigkeit !

Leider waren nur 3 Classics am Start, aber es waren nicht die schlechtestens derer.
Wir (die 3) konnten immerhin in der mittleren/hinteren Foilerflotte ein bisschen mitmischen, besonders mal wieder Moritz Weis. Upwind kann man ihm noch folgen, aber Downwind im Trapez und Skimmingmodus, da lässt er keinem anderen Classicer auch nur die geringste Chance.

Ergebnisse: https://www.campioneunivela.it/regate/2024/a-cat-easter-regatta/a-cat-classic-open/

Weitere Filme und Bilder: https://www.facebook.com/univela.org

M

Vom Winde verweht: Cat-Auftakt in Steinhude

Wer im März zu einer Regatta in Mitteleuropa fährt, muss mit kühlen Temparaturen rechnen. Doch beim diesjährigen Cat-Auftakt am Steinhuder Meer nahe Hannover hatte das Wetter gleich alles an Gastigkeiten zu bieten, was im frühen Frühjahr möglich ist: Regenwalzen, Hagel und kräftige Sturmböen. Um die Segler bei Laune zu halten und in trügerischer Sicherheit zu wiegen, gab es aber auch immer wieder blauen Himmel und Sonnenschein. Und schön ist es ja schon am Steinhuder Meer, das muss man selbst als landschaftsverwöhnter Segler aus dem Süden zugeben.

Der veranstaltende Yachtclub Steinhuder Meer, die Wettfahrtleitung und die 12 gemeldeten A-Cat-Segler waren hochmotiviert, fünf spannende Wettfahrten zu absolvieren. Doch hatten alle den Wetterbericht gründlich gelesen und kamen ins Grübeln. Mit dem Ergebnis, dass die A-Catler geschlossen darauf verzichteten, aufs Wasser zu gehen, obwohl zunächst noch moderate Bedingungen herrschten.

Aber dann kam eine schwarze Wolkenwand, aus der Böen mit bis zu 42 Knoten (gemessen am Clubhaus des benachbarten Segelvereins) das Wasser weiß aufpeitschten. Die A-Cat-Segler bestaunten die gut sichtbaren Kenter-Stunts einer Handvoll todesmutiger Dart-18-Segler und waren einfach nur froh, gekniffen zu haben. Bei diesen Windgeschwindigkeiten tendieren die federleichten A-Cats dazu, selbst im gekenterten Zustand unkontrollierbar über das Wasser geschleudert zu werden, mit entsprechend großen Gefahren für den Mast. Da für den Sonntag ähnliche Bedingungen vorhergesagt waren, begannen die auswärtigen Segler, ihre Boote vorzeitig wieder abzubauen. Immerhin das Auf- und Abbauen konnte trainiert werden, am Saisonbeginn sitzt bekanntlich nicht mehr jeder Handgriff so richtig.

Bereut hat das Erscheinen in Steinhude aber niemand. Endlich mal wieder unter Gleichgesinnten ausgiebig klönen über das, was wir im Winter alle so schmerzlich vermisst haben. Einige nutzten die Gelegenheit, ihr Boot oder ihr Segel von Thorsten vermessen zu lassen. Und wir konnten den im besten Sinne des Wortes aufgemotzten A-Cat von Jan bestaunen. Es handelt sich um einen Vanguard von Aicher/Egner mit Baujahr 1997, dessen Rumpfformen und Alu-Beams mehr einem Dart 18 ähneln als einem modernen A-Cat, der aber liebevoll mit C-Schwertern, einem nagelneuen Alien-Mast und einem Decksweeper aufgerüstet worden war. Mal sehen, ob der sich nun als Rakete entpuppt.

Guido präsentierte wiederum eine tolle Lösung für das Problem, dass wir unseren A-Cat allzu oft an Land umlegen müssen, um etwas zu klarieren oder das Segel am Masttop einzuhängen. Er stülpt einfach zwei Hufeisen-Rettungsringe über den Rumpf, auf dem das Boot zu liegen kommt. Nie wieder Beulen und Kratzer im Schiff, nie wieder Schwimmwesten verdrecken! Allein dafür hat sich die Reise nach Steinhude gelohnt.

Christian Stock GER 100

Holländische Meisterschaft 2023

Open National Kampioat 2023

Die Niederländische Meisterschaft 2023 wurde wie in den letzten Jahren wieder auf dem Harringvliet bei der Cat Vereinigung Hellecat ausgetragen.

Wie immer hat Hellecat geliefert…. Kaiserwetter oder Champagner Segeln!

Nur der erste Tag war doch ein bisschen arg windig. Es fegten immer mal wieder Böen um 25kn übers Feld. Phasenweise sah es ganz friedlich aus… bis zur nächsten heftige Bö. Allen die da draußen geblieben sind und fleißig gesegelt sind verdienen Respekt.

Man sollte ja meinen, dass der erste Tag so richtiges Mischa-Wetter gewesen wäre. Und von außen sah es auch so aus. Düste er doch das eine oder andere mal mit brachialem Speed an den vor Ihm liegenden Seglern vorbei. Die Ergebnisliste am Freitag Abend zeichnete jedoch ein anderes Bild. Thijs vorne und Mischa 5. oder 6. hinten? Er hatte wohl einige Problemchen mit der Schot auf dem Wasser zu lösen und zum Schluss wegen einer defekten Schwerttasche 100 Liter Wasser im Schiff. Es gab auch noch einige gebrochene Pinnen, verlorene und gebrochene Latten, und Segelschäden zu beklagen. Nichts was nicht behoben werden konnten. Auch Mischas Boot war am nächsten Morgen wieder Dicht.

War der Freitag herausfordernd, boten Samstag und Sonntag, quasi als Wiedergutmachung, Wetter vom Feinsten. Sonnig, warm, 8 – 14 knoten Wind. Kaiserwetter..

Mischa lies am Samstag und Sonntag nichts mehr anbrennen und siegte souverän vor Thijs Visser, und Thomas Pasch. Alex Meister erreichten einem guten aber undankbarem vierten Platz. Bei den Klassikern siegte ebenso Souverän Sjoerd Hoekstra vor Astrid Janssens und Francois Lambotte.

JK

Alex Meister ist wieder ins Foilergeschehen eingestiegen und hat mit dem vierten Platz ein hervorragendes Ergebnis erreicht. Er gehört zu den hochkarätigen Upwindfoilern

Keine Classic Boote aus Deutschland am Start.

Infos und Bilder bei catsailing und facebook

Ergebnis A-Cat Univela Trophy 06. – 08.Okt. 2023

18 A-Cats waren am Start, darunter leider nur ein Classic-Boot.
Am Freitag sollen sehr gute Windverhältnisse gewesen sein, wohingegen am Samstag und Sonntag keine Ora wehen wollte. Die 3 Wettfahrten am Freitag hat natürlich alle Kuba gewonnen.
Alex Meister hat mit dem 2. Platz seine Klasse erneut gezeigt.
Reichlich Bilder u.a. bei catsailingnews.

Platz 1 erringt Jakub Surowiec (POL) gefolgt von Alex Meister (GER) und Robin Maeder (SUI)

Ausführlicher Bericht zur WM 2023 in Toulon

Bericht von der Weltmeisterschaft 2023 der A-Cat (Open und Classic) in Toulon

Die Champions der Classics

„That was hard work!“ Scotty Anderson, der aus Australien Starkwind und große Welle gewohnt ist, kam sichtlich erschöpft, aber glücklich lächelnd vom Wasser. Soeben hatte er denkbar knapp die Weltmeisterschaft im A-Cat Classic errungen, punktgleich vor Gustavo Doreste aus Barcelona. Am letzten Tag der WM hatte das Mittelmeer vor der Toulon an der Cote d’Azur noch einmal in aller Deutlichkeit gezeigt, zu welch kräftigen Winden und zu welch brutalem Wellengang es fähig ist. Wie von vielen Beobachtern vorhergesagt, wurde die Meisterschaft der 80 weltbesten Classic-Segler erst am letzten Tag in der allerletzten Wettfahrt entschieden. Nur dank seiner größeren Zahl von ersten Plätzen konnte Scotty Anderson sich vor Gustavo Doreste behaupten – weshalb er ihn bei der Siegerehrung zu Recht als seinen „Co-Champion“ bezeichnete.

Komplettiert wurde das Podium vom Titelverteidiger Andrew Landenberger (AUS), der in der zweiten Regattahälfte bei stärkerem Wind mit fünf ersten Plätzen seine Weltklasse illustrierte, zuvor aber bei leichteren Winden geschwächelt hatte. Auffällig: Alle drei Spitzensegler auf dem Podium haben eine Olympiamedaille (Anderson 1984 und Landenberger 1992, jeweils im Tornado) oder eine Olympiateilnahme (Doreste 1980, 6. Platz im 470er) vorzuweisen. Allesamt sind sie nicht mehr die Jüngsten, aber sie sind körperlich topfit und wissen auch in einer agilen Bootsklasse wie dem A-Cat ihr riesiges Erfahrungswissen umzusetzen. Für die Jüngeren sind sie damit ein Vorbild – und ein Ansporn, sich auch im Winterhalbjahr etwas mehr sportlich zu betätigen…

Classic Team Germany

Das mit sechs Booten angetretene deutsche Classic-Team schlug sich in Toulon mit drei Platzierungen unter den Top Ten ausgezeichnet, es lag auf Augenhöhe mit den starken Australiern, Spaniern und Italienern. Am letzten Tag konnte sich der erst 21-jährige Moritz Weis mit seinem Exploder AD3 noch auf den fünften Platz vorschieben und errang damit den Junior-Weltmeistertitel für unter 25-jährige. Von ihm ist in der Zukunft dank seines rasant anwachsenden Erfahrungsschatzes noch mehr zu erwarten. Klassenpräsident Matthias Dietz mit seinem gerade erst eingetrimmten neuen Exploder AD3 kam auf einen hervorragenden sechsten Platz. In der ersten Regattahälfte war er zeitweilig sogar auf dem dritten Rang gelegen.

Lars Bunkenberg demonstrierte mit dem siebten Schlussrang, dass der von seinem Bruder Nils vor 21 Jahren konstruierte Nikita selbst mit einem veralteten klassischen Segelschnitt noch heute konkurrenzfähig ist. Die ebenfalls mit Nikita angetretenen Leichtgewichte Christian Stock (16. Schlussrang) und Georg Reuter (17. Platz) hatten mit je einem fünften Laufrang ihr Top-Ten-Potential bei leichter Brise unter zehn Knoten angedeutet, mussten dann aber bei stärkerem Wind Federn lassen. Rookie Thosten Zarske schlug sich dem 58. Rang sehr achtbar, zumal er bei allen Starkwindrennen ins Ziel kam.

Mindestens ebenso wichtig wie gute Platzierungen: Team Germany hat keinerlei Schäden am Material zu verzeichnen – was bei 80 Booten auf einem deutlich zu klein geratenen Parcours keineswegs selbstverständlich ist. Sieben Boote trugen allein bei den Classics nach heftigen Kollisionen schwere Rumpfschäden davon, hinzu kommen zahlreiche kleinere Beschädigungen – von den geknickten Egos der Segler ganz zu schweigen. An der ebenfalls recht knapp bemessenen Startlinie ging es überraschenderweise recht gesittet zu, einige Segler verzichteten darauf, in der ersten Reihe zu starten, was die Situation deutlich entzerrte. Doch an den Bahnmarken herrschte vor allem im Mittelfeld immer wieder nacktes Chaos, mit unzähligen haarsträubenden Bootsbegegnungen, die nicht immer gut ausgingen. Vertiefte Regelkenntnisse und vorausschauendes Segeln würden vielen Teilnehmenden nicht schaden. Wie bei den A-Cats üblich, wurden jedoch viele Protestsituationen später an Land bei einem Kaltgetränk (oder einem Pastis) gütlich beigelegt.

Foiler mit Geschwindigkeitsrekord

Bei den Foilern ging es nicht minder knapp zu. Bis zu Beginn der letzten Wettfahrt am letzten Tag lag der niederländische Altmeister Mischa Heemskerk in Schlagweite zum jungen Polen Kuba Surowiec. Doch dann pushte Mischa, für den Bremsen zumindest auf dem A-Cat nicht in Frage kommt, bei über 20 Knoten Wind auf dem Downwind-Kurs zu hart und kenterte. Was er zu diesem Zeitpunkt nicht wusste: Kuba war ebenfalls gekentert, „without pushing it too hard“, wie er hinterher berichtete. Da er aber vor Mischa im Ziel ankam, wurde er Weltmeister im A-Cat-Open – nach mehreren Anläufen ein ebenso höchst verdienter wie auch längst fälliger Erfolg für ihn. Darren Bundock (AUS) errang mit einer nahezu ebenbürtigen Leistung Bronze. Wie Bundy am letzten Renntag als Führender über den aufgewühlten Parcours raste, war absolut sehenswert. Titelverteidiger Ravi Parent (USA) begnügte sich mit der Holzmedaille. Für ihn war es keine perfekte Saison: Erst musste er seinen F18-Weltmeistertitel mit einem achten Rang abgeben, nun auch den A-Cat-Titel. Da er ebenso jung wie hochtalentiert ist, wird er diese Scharte bald auswetzen.

Kuba hatte am vierten Renntag bei gerade einmal zwölf bis 14 Knoten Wind einen sensationellen Geschwindigkeitsrekord von 32,2 Knoten verzeichnet. Wie er später an Land erzählte, hatte er an der Luvtonne lediglich die Großschot ein kleines bisschen gefiert und ansonsten alle Einstellungen auf Am-Wind-Modus belassen. Dieses Set-up ist instabil und daher risikoreich, aber wenn der scheinbare Wind ähnlich wie beispielsweise bei den Sail-GP-Katamaranen ohnehin immer von schräg vorne kommt, funktioniert es bei perfektem Handling offensichtlich. Für diejenigen, die anders als Kuba keine absoluten Topsegler sind, gilt: Don’t try this at home.

Beste Frau bei den Foilern wurde Cam Farrah aus den USA. Mit ihrem 16. Rang ließ sie zahlreiche erfahrene Männer hinter sich. Anders als diese segelt sie aber auch professionell, etwa beim America’s Cup-Team Magic America.

Open Team Germany

Bei den Foilern fiel die deutsche Beteiligung mit nur drei Booten nicht sehr groß aus, wie auch insgesamt die 46 Foiler quantitativ nicht mit dem fast doppelt so großen Classic-Feld mithalten konnten, dafür aber praktische alle Topleute am Start waren. Über die Gründe kann nur spekuliert werden, eventuell hielt Toulons Ruf als Leichtwindrevier einige potentielle Teilnehmende aus Deutschland ab? Rainer Bohrer zeigt mit dem 19. Schlussrang, dass er in der erweiterten Weltspitze mithalten kann. Roeland Wenthold kam ohne jedes Vorort-Training im Vorfeld der WM auf einen sehr guten 29. Platz. Gleiches gilt für Katrin Brunner auf Platz 35, für die angesichts ihres Leichtgewichts zu viel Wind herrschte, um vorne mitzuhalten, und die dennoch jede Wettfahrt souverän ins Ziel brachte.

Stabile Verhältnisse beim Material

Gäbe es nicht die kleine, aber aktive Scheuer-Werft im schweizerischen Biel und träte nicht das kleine niederländische DNA-Team mit seinen mittlerweile fünf Jahre alten Booten an, dann wären die A-Cats mittlerweile nahezu eine Einheitsklasse – sowohl bei den Open als auch zunehmend bei den Classics. Denn die polnische Exploder-Werft dominiert mit ihrem AD3-Modell in hohem Maße den Markt. Doch bei näherem Hinsehen zeigen sich signifikante Unterschiede im Detail. So gibt es etwa bei den aktuellen Classic-AD3 mittlerweise zwei bestellbare Rumpfformen: Die etwas voluminöseren des Designs von 2017 und die etwas schlankeren von 2020. Die mit nagelneuen Plattformen antretenden Andrew und Andreas Landenberger bevorzugten die ältere Form, weil sie bei Wind über 15 Knoten ihrer Ansicht nach mehr Potential zum Downwind-Pushen biete. Scotty Anderson, Moritz Weis und einige andere sind aber auch mit dem 2020er Modell bei nahezu allen Bedingungen rasend schnell.

Bei den Foilern hingegen steht das nur leicht modifizierte 2020er-Modell außer Frage. Hier sind lediglich beim Setup der Verstelleinrichtungen, insbesondere beim Ruderdifferential, noch kleine Unterschiede auszumachen. Bei der Weiterentwicklung von Foils scheint ebenfalls Ruhe eingekehrt zu sein – oder es wird darüber geschwiegen.

Zur Produktion von konkurrenzfähigen Segeln gibt es inzwischen über zehn aktive Segelmacher aus verschiedenen Ländern und Kontinenten. Decksweeper sind auch bei den Classics nahezu Standard. Die Unterschiede bei den Segeln hinsichtlich Performance, Verarbeitungsqualität und inzwischen auch dem Preis sind gering. Bei den Masten ist Fiberfoam der Marktführer, der nur von Bimares Alien-Masten noch herausgefordert wird. Bemerkenswert: Bei der WM kam es trotz teilweise heftiger Bedingungen zu keinem einzigen Mastbruch. Insgesamt wird die bei der Materialentwicklung eingekehrte Stabilität von allen Seglern als sehr positiv für die A-Cat-Klasse bewertet.

Toulon und das WM-Team

Strahlend blauer Himmel und warmes azurblaues Wasser – wie erhofft erwies sich die Bucht von Toulon vor der Bergkulisse der Seealpen als traumhaftes Segelrevier. Doch für eine Segelweltmeisterschaft sind die Windbedingungen das Wichtigste. Auch hierbei hat die quirlige Mittelmeer-Metropole Toulon nahezu perfekt geliefert. Innerhalb des Klassenlimits von fünf bis 22 Knoten war fast alles geboten, die Leichtwindspezialisten kamen ebenso auf ihre Kosten wie die Starkwindfreaks. Da Wettfahrtleiterin Corinne Aubert ihren Job sehr souverän machte, blieben Schweinerennen bei grenzwertigen Bedingungen aus. Beim Olympia-Segelevent 2024 im nahegelegenen Marseille wird sie nicht von ungefähr einen der Rennkurse betreuen.

60 freiwillige Helferinnen und Helfer des Yacht Club Toulon sorgten auf dem Wasser und im Hafenbecken für einen reibungslosen Ablauf. Binnen 20 Minuten waren jeweils beide Flotten vollständig auf dem Wasser, das lief deutlich besser als im Vorfeld befürchtet. Bei der sanitären Infrastruktur an Land und bei den Social Events war in Toulon noch Luft nach oben, allerdings wollte die mitveranstaltende französische Klassenvereinigung die Kosten und damit die Startgelder moderat halten. Klassenkommunikator Gordon Upton lieferte täglich spektakuläre Fotos und ebenso informative wie humorvolle Berichte – der Mann ist pures Gold, wenn es darum geht, die A-Cat-Klasse in gutem Licht erscheinen zu lassen. Graeme Harbour und sein Vermesser-Team sorgten mit viel Erfahrung und maßvollen Strafen bei Verstößen für faire Bedingungen. Das Schiedsgericht um Paul Bastard hatte aufgrund der zahlreichen Kollisionen mehr zu tun, als es bei A-Cat-Regatten üblich ist, erledigte seine Aufgabe aber ebenfalls mit Bravour.

Fazit und Ausblick

Die WM in Toulon wird als eine der sportlich hochwertigsten in die Geschichte der A-Cats eingehen. Gute ausgeglichene Windbedingungen, anspruchsvolle Welle, hohe Beteiligung aus 17 Ländern von drei Kontinenten und denkbar knappe Ergebnisse nach sechs Renntagen sprechen eine deutliche Sprache. Das seglerische Niveau war in der vorderen Hälfte der Felder extrem hoch, selbst kleinste Fehler wie eine nicht ganz optimal gefahrene Wende wurden mit Platzverlusten von bis zu zehn Booten bestraft. Bei der Siegerehrung zeigten sich alle Teilnehmenden hochzufrieden über die WM.

Die nächste Weltmeisterschaft wird im September 2024 in Punta Ala an der toskanischen Küste nahe Elba ausgetragen. Die 2015 dort ausgerichtete WM gilt ebenfalls als eine der besten der Klasse. Die Beteiligung wird also in beiden Flotten voraussichtlich sehr hoch sein. Nicht entgehen lassen, rechtzeitig planen und reservieren! See you on the water.

Christian Stock GER 100

Ergebnisse:

https://www.manage2sail.com/en-US/event/Aclass#!/results?classId=Acat

https://www.manage2sail.com/en-US/event/Aclass#!/results?classId=ACATF