Alpencup 2026 in Füssen
Sonne pur herrschte dieses Mal beim Alpencup am wunderschönen Forggensee im Allgäu. Eine europaweite Hochdrucklage bescherte hochsommerliche Temperaturen über 30 Grad – und am Freitagabend vor der Regatta einen veritablen Gewittersturm. Da das Clubhaus des veranstaltenden SCFF neben vielen anderen Vorzügen beste Aussicht auf den See bietet, konnten die Segler das Spektakel gut mit verfolgen. Alle waren froh, die brutalen Windböen nicht auf dem Wasser miterleben zu müssen.
Da der Forggensee kein klassisches Thermikrevier ist, gestaltete sich am ersten Renntag das Warten auf den Wind etwas langwierig. Wie üblich hatten vor der Regatta am Freitagnachmittag schöne Bedingungen geherrscht, bis dann die Gewitterwolken aufzogen. Am Samstag ließ die Brise sich Zeit bis 15 Uhr. Wettfahrleiter Herbert Kujan, selbst ein erfahrener Regattasegler, konnte mit seinem Team eine schöne Wettfahrt anpfeifen, mit Wind von 5 bis 9 Knoten. Trapezsegeln war über weite Strecken möglich, und die bei leichtem Wind gegenüber den Classics benachteiligten Foiler konnten sich zumindest zeitweise aus dem Wasser heben. Klaus Raab beispielsweise holte kurz vor dem Zieleinlauf einen sicheren Vorsprung von Norbert Bauer in wenigen Sekunden erfolgreich auf.
Insgesamt waren die Bedingungen aber zu leicht und zu böig für die Foiler, so dass die Classics ihre Vorteile ausspielen konnten. An der Kreuz waren zahlreiche Wenden angesichts der teilweise heftigen Dreher nötig. Man verliert bei einer solchen Wende zwar fünf Bootslängen oder mehr, holt aber schnell zehn oder zwanzig heraus. Vor dem Wind dasselbe Spiel: Wer geschickt in die Windfelder hinein halst oder Dreher mitnimmt, kann viele Meter gut machen auf die Boote, die lieber in die Ecken heizen. Letzteres ist für alle A-Cats nur bei halbwegs konstantem Wind ein Erfolgsrezept.
Nachdem eine weitere Wettfahrt wegen eines massiven Rechtsdrehers kurz nach dem Start abgebrochen werden musste, wurde eine zweite angeblasen. Nun waren Geduld und eine ordentliche Portion Glück nötig, denn der Wind schwächelte strichweise ganz erheblich. An der zweiten Luvtonne erlöste dann eine Bahnabkürzung die mittlerweile heftig schwitzenden Segler. Zum Glück gab es abends dann nach einem schönen Abendessen beim benachbarten Fischereiverein Freibier gegen die Dehydrierung.
Am Sonntag war langes Warten auf Wind angesagt. Erst um halb drei liefen die Segler bei zunächst schönem Wind aus. Doch schon an der ersten Luvbahnmarke wurde die Wettfahrt zu Recht abgebrochen. Bei Wind um die drei Knoten ist ernsthaftes Regattasegeln kaum möglich, bei solch heißen Temperaturen würde jede Berufsgenossenschaft einschreiten, würden wir professionell segeln. So blieb es dann bei Ergebnis des Vorabends: Bei den Foilern kam Local Hero Klaus Raab punktgleich vor seinem Vereinskollegen Bob Baier auf den ersten Rang, gefolgt von Newbie Christoph Mommensohn. Die Classics konnten angesichts der leichten Winde auch die Gesamtwertung anführen: Bronze ging an Gino Simen, Georg Reutter holte Silber, Christian Stock Gold. Bei der Siegerehrung blieb nur ein Wunsch offen: Dass im nächsten Jahr wieder mehr Segler den Weg nach Füssen finden. Der äußerst gastfreundliche Club und das traumhafte Revier hätten es redlich verdient.
Unangefochtener Held des Wochenende des Wochenendes war aber jemand anderes: Norbert Bauer vom Ammersee feierte am Vorabend der Regatta seinen 50.ten Jahrestag beim A-Cat-Segeln. Mehrere Boote hatte in diesen fünf Jahrzehnten selbst gebaut, erst aus 4mm Sperrholz, dann sogar aus hauchdünnen 2mm. Seit 2014 segelt er einen Nikita, und das sehr erfolgreich. Seinen früheren Spitznamen „Schmidtchen Schleicher“ nach einem Schlagerhit der 1970er Jahre ist Norbert längst los, nur seine Boote nennt er noch „Schmidtchen“ (damit wäre dieses nicht so geheime Geheimnis auch gelüftet).

Bei der jüngsten Sitzung der deutschen Klassenvereinigung war einstimmig beschlossen worden, Norbert für seine großen Verdienste um die Klasse die Ehrenmitgliedschaft zu verleihen. Bei der Steuermannsbesprechung in Füssen wurden ihm nun unter großem Applaus der Anwesenden alle Ehren zuteil. Norbert ist ein Urgestein der A-Cat-Klasse, eine lebende Legende, die auch international größte Anerkennung für ihre Segelleidenschaft erfährt. Möge Norbert noch lange aktiv bei Regatten um die vorderen Plätze mitstreiten!
Christian Stock







