A-Cat Italia Cup 2026 – Bericht

Fünf Tage lang nur lächelnde Gesichter, wohin man auch sah: So lässt sich der Italia Cup 2026 in auf dem Gardasee bei Malcesine samt vorangegangenem freien Training wohl am besten zusammenfassen. Schon in den vergangenen Jahren waren die hochklassigen A-Cat-Regatten beim Fraglia Vela Malcesine mit Clubgelände im Ortsteil Navene ein absolutes Highlight im Regattakalender gewesen.
Doch diesmal stimmte alles ganz besonders gut: Traumhaft schönes Wetter, gute segelbare Ora von 6 bis maximal 18 Knoten, eine höchst kompetente Wettfahrtleitung und eine gute Organisation an Land einschließlich Helfern an der Slipanlage. Last but not least waren die Pasta Party am Freitag und die Bruscetta Party am Samstag direkt am Seeufer bei schönstem frühabendlichem Sonnenlicht tolle soziale Höhepunkte.

Einige andere Faktoren trugen ebenfalls zum guten Gelingen bei: Nachdem im vergangenen Jahr 80 Boote in den beiden Disziplinen Open (Foiler) und Classic (Nichtfoiler) starteten, waren es diesmal nur knapp 60. Das sorgte nicht nur an Land für weniger beengte Verhältnisse, sondern vor allem auch auf dem Wasser. Open und Classic teilen sich die Bahn, wobei die Classic acht Minuten nach den Open starten. Das sorgt für viel Begegnungsverkehr, teilweise mit Annäherungsgeschwindigkeiten von 35 Knoten und mehr. Nur ein kleiner Moment der Unaufmerksamkeit oder einfallende Böen mit entsprechenden Kurskorrekturen, und schon werden manche Situationen sehr eng. Zu eng, wie im vergangenen Jahr ein kapitale Kollision zeigte.
Doch diesmal war es deutlich entspannter. Das lag auch am westlichen Einschlag der Ora, weshalb die linke Seite unter Land nicht so stark wie sonst bevorteilt war und sich die Felder deutlich besser auf dem See verteilten. Taktisch war das ebenfalls reizvoll, denn manchmal ging es wie gewohnt über die linke Seite, oft aber auch über rechts oder über die Mitte. So manche Positionsverschiebung in einem Rennen kam nicht durch puren Bootsspeed zustande, sondern durch kluge Wind- und Feldtaktik. Die zumeist moderate, aber oft kurzfristig wechselnde Windgeschwindigkeit von durchschnittlich 12 Knoten trug ebenfalls ihren Teil dazu bei, taktische Aspekte zu stärken – zumindest bei den Classics, die bei Manövern nicht ganz so viele Meter einbüßen. Die Open waren hingegen sehr darauf bedacht, bei Tonnenrundungen bloß nicht von den Foils zu fallen, und nahmen daher lieber so manchen Umweg in Kauf.

Die Open stellten mit 38 Booten das größte Feld. Am Start waren neben dem amtierenden Weltmeister Kuba Surowic (POL) auch zahlreiche andere Topsegler aus ganz Europa, insbesondere Lokalmatador Lamberto Cesari (ITA). Materialtechnisch gab es nicht viel Neues zu berichten, bis auf eine Ausnahme: Exploder produziert nun Ruder, die im unteren Bereich aus hochwertigem, ultrabiegesteifen Edelstahl gefertigt sind, ähnlich wie in der Moth-Klasse. Das Profil kann somit längs wie quer sehr schmal ausfallen, mit entsprechend wenig Widerstand, und die Genauigkeit beim Steuern nimmt zu. Noch sind die Vorteile laut Berichten der betreffenden Segler nicht überwältigend groß, aber die Entwicklung wird nicht stehen bleiben.

Bei den Classics mit 19 Booten sorgte das brandneue Modell Classic 2026 der polnischen Exploder-Werft für Aufsehen. Weniger wegen der zahlreichen kleinen Verbesserungen bei Trampolin, Foils und so weiter, sondern wegen einer Einschnürung des Unterwassersschiffs im achterlichen Bereich. Was für Laien aussieht wie eine seltsame Deformation, soll das Skimmen auf dem Downwindkurs erleichtern. Damit ist das Gleiten auf dem hinteren Teil des Leerumpfes gemeint, während die vordere Hälfte des Leerumpfes vom Auftrieb der C-Schwerter aus dem Wasser gehoben wird (der Luvrumpf ist ohnehin komplett in der Luft). Dieses Skimming ist kein vollständiges Foilen, was laut der Classic-Regeln in Wettfahrten auch verboten wäre, aber dennoch eine höchst effiziente und erlaubte Methode, um schnell zum Leetonne zu kommen. Ex-Weltmeister Gustavo Doreste (ESP) sowie Bruno Biedermann (SUI) zeigten, dass dieses Konzept aufgeht.

Lamberto Cesari

In beiden Feldern führte die starke Konkurrenz zu knappen Ergebnissen. Bis zu letzten von neun gesegelten Wettfahrten blieb das Podium offen. Bei den Open hat Weltmeister Kuba Surowic nun nach langer Dominanz seinen Meister gefunden: Lamberto Cesari konnte sich mit einem Punkt Vorsprung den Sieg sichern, vor allem dank seiner überragenden Bootsgeschwindigkeit. Sein Boot ist bis ins letzte Detail optimiert, und sein Segelstil kann nur als „Italian Elegance“ bezeichnet werden. Marco Anessi (ITA) errang Bronze, ebenfalls eine herausragende Leistung in einem starken Feld. Bester Deutscher war Rainer Bohrer auf Platz 7, gefolgt von Roeland Wentholt (11) und Bob Baier (13).

Gustavo Doreste

Bei den Classics konnte sich der Weltmeister von 2025 Gustavo Doreste dank seines taktischen Gespürs knapp gegen den Italiener Marco Radmann behaupten. Enrique Cornejo kam dank konstant guter Leistungen auf Platz drei. Die vier Topplatzierten aus Spanien und Italien hatten den gesamten Winter über auf dem Mittelmeer bei Barcelona beziehungsweise Calambrone trainiert – ein Vorsprung, den die anderen Segler in den drei Renntagen nicht aufholen konnten. Beste Deutsche waren Christian Stock (Platz 5), Günter Simon (7) und Florian Hennig (11).
Im kommenden Jahr steht erneut eine Meisterschaft in Malcesine an. Psst, bitte nicht weitersagen, aber die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass es wieder ein Traumevent wird.

Christian Stock (GER 100)

Ergebnis Open:

Ergebis Classic:

Bilderserie:
https://www.flickr.com/photos/fragliavelamalcesine/albums/72177720333304349