Christian Stock erfolgreich in Plobsheim

Bericht: Criterium National Classe A in Plobsheim (3.-5- April)

Je näher die Osterregatta in Plobsheim rückte, desto größer wurden die Zweifel. Ist es wirklich eine gute Idee, bei eisigen Temperaturen segeln zu gehen, wenn im nahegelegenen tiefverschneiten Schwarzwald die Skilifte wieder in Betrieb genommen werden – von den Alpen ganz zu schweigen? Doch die Wetterverantwortlichen da oben im Himmel müssen ein Faible für Segler haben. Anders ist es nicht zu erklären, warum pünktlich zur Regatta das Thermometer wieder zweistellige Temperaturen anzeigte und die Sonne sich immer öfter blicken ließ. Das Rheintal ist bekanntlich ein klimatisch milder Spot in Mitteleuropa, und das kam dann zum Glück der Segler auch zur Geltung.

Christian in Action

Vor allem aber wehte am gesamten langen Osterwochenende guter segelbarer Wind. Mal mehr, mal weniger, aber es reichte für zehn reelle Wettfahrten. 22 Segler aus Frankreich, Belgien und Deutschland hatten sich eingefunden, davon jedoch nur ein einziger Foiler. Am Revier liegt das nicht, das ausreichend große Rheinseitenbecken südlich von Straßburg ist mit seinem flachen Wasser ideal zum Fliegen. Normalerweise ist auch der Wind recht konstant in Richtung und Stärke. Nicht jedoch am ersten Tag, als eine westliche Strömung um die 7 Knoten für interessante Verhältnisse sorgte. Wer die massiven Rechtsdreher nicht mitbekam, konnte auf der linken Bahnseite binnen einer Minute mehrere hundert Meter verlieren. Den Fehler machten die meisten Segler aber nur einmal. Drei schöne Wettfahrten waren zum Auftakt drin. Leider kam es zu einem Mastbruch, doch ein Ersatzmast war schnell zur Hand.

Der zweite Tag verwöhnte dann mit nahezu idealen Bedingungen bei stabilem Wind um die 12 Knoten. Fast immer konnte man komplette Downwindkurse auf einem Rumpf absolvieren, was sich als schnellste Methode erwies, um zum Leegate zu kommen. An diesem Tag wurde auch ein Luvgate gelegt – eine wunderbare Sache, vor allem, wenn der Abstand zwischen den beiden Tonnen schön groß ist. Das entzerrt den Stress an der Luvtonne ganz enorm, und man hat mehr taktische Möglichkeiten. Insbesondere die berüchtigten Crashwenden an der Luvtonne können entfallen: Man fährt auch auf Kurs mit Wind von Backbord einfach durchs Gate, fällt ab und halst dann irgendwann, wenn man zur anderen Bahnseite möchte.

Der dritte Tag begann mit einer schönen Wettfahrt bei moderaten Bedingungen. Das überraschte die Segler angenehm, hatten die Wetterprognosen doch Böen bis 24 Knoten prognostiziert. Doch man soll sich nicht zu früh freuen: Die Böen kamen dann in der zweiten und dritten Tageswettfahrt, und zwar wieder in Form massiver Rechtsdreher. Der Amwindkurs geriet somit zum wilden Rodeoritt, und Downwind war schnelles Fieren der Schot gefragt, wenn eine der harten Böen einschlug. Zerrissene Segel, gebrochene Pinnenausleger und zahlreiche Kenterungen dezimierten das Feld zunehmend. Die Wettfahrtleitung schickte die Segler dann lieber an Land, worüber niemand traurig war.

Für die Preisverleihung hatte sich das Organisationsteam rund um den A-Cat-Segler Benjamin Westerfeld vom veranstaltenden Club ACAL etwas ganz Besonderes überlegt, was aber leider nur an wenigen A-Cat-Regatten wiederholt werden kann: Eine eigene Jugendwertung. Vier Segler unter 18 Jahren waren angetreten, teils mit alten Booten, aber mit riesigem Spaß und großer Motivation. Mit ihrem Elan konnten sie so manchen alten Hasen locker in der Wertung schlagen. Platz 1 der Jugendwertung ging an Cyrille Reichheld, Platz 2 an Matheo Monpetit, Platz 3 an Anthony Digregorio – alle drei sind Local Heros von ACAL, die kaum dem Opti entwachsen sind.

In der Gesamtwertung konnte Claude Brasseur (BEL 10) Bronze ersegeln. Silber ging an Eric Girardin (FRA 26); er war der einzige Segler, der punktemäßig nah genug an den Erstplatzierten Christian Stock (GER 100) herankam, um es bis zur vorletzten Wettfahrt spannend zu machen. Denn bei den ausgeschriebenen 12 Wettfahrten war nur ein Streicher vorgesehen. Einmal Frühstart, einmal Materialbruch, und schon ist es dann aus mit Titelträumen, gleich wie viel gute Platzierungen man sonst eingefahren hat.


Das Criterium National hätte ein paar mehr Meldungen verdient gehabt, denn es war eine schöne Veranstaltung auf einem guten Revier und einem sehr fairen Startgeld. Trotz guter Organisation geht es in Plobsheim stets leger zu, man fühlt sich als Regattateilnehmer sehr willkommen. Kurz gesagt: Die Regatta war ein schönes Ostergeschenk für die nach langem Winter topmotivierten Segler.

Christian Stock (GER 100)

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